Zeit für einen neue Kategorie: immer mal wieder werde ich in Zukunft meine Lieblings-Apps hier vorstellen.
Den Anfang macht eins meiner absoluten Lieblingsspiele zur Zeit, das soeben 2 Preise abgeräumt hat, nämlich den “Runner Up”-Award von touchgen.net und den gameshark.com “iOS Game Of The Year”: “Neuroshima Hex”.

Das Spiel ist eigentlich ein “richtiges” Brettspiel, kommt aus Polen und handelt, wie der Name schon sagt, in der Welt von Neuroshima – das ist ein postapokalyptisches Rollenspiel-Setting, ich glaube ebenfalls in Polen entwickelt worden.
Diesen Review kann man ohne Probleme auch als Lobhudelei auf die Brett-Version lesen, nicht nur für die App.
Letzten Endes haben wir’s hier mit einem abstrakten Legespiel zu tun; das “Kriegs-Thema” wirkt aber kein bisschen aufgesetzt, sondern passt perfekt.
Gespielt wird auf einem Spielfeld, das sich aus Hexfeldern zusammensetzt. Siehe rechts. O-Ton von mindestens 2 Leuten, die das Brett gesehen haben: “Oh, ist das Siedler??” ;-D
Es spielen mindestens 2, maximal aber 4 Armeen gegeneinander. Jeder Spieler bekommt eine Armee, in der App sind 4 Fraktionen enthalten (grün, blau, rot und gelb). Klasse: alle 4 haben jeweils ihre eigenen Taktiken und spielen sich komplett unterschiedlich. Sehen wir uns ein paar Armee-Teile an:


Die Teile haben mehrere Infos in sich, wie sie ins Kampfgeschehen eingreifen können: der blaue Typ z.B. hat in 2 Richtungen je einen Nahkampfangriff (=kurze Pfeile, macht in diese Richtung auf jedes benachbarte Feld einen Schadenspunkt) und greift in Phase 3 an (die Zahl in dem Kreis). Der rote Kollege macht in eine Richtung einen Fernkampfangriff (=langer Pfeil, macht in diese Richtung einen Schadenspunkt auch über mehrere Felder hinweg) und greift sowohl in Phase 2 als auch in 1 an.
Jeder Spieler hat ein “Hauptquartier”, das es zu beschützen gilt. Ein HQ hat bei Spielstart 20 Punkte; sinken die auf null, hat der Spieler verloren. Alternativ ist das Spiel zu Ende, wenn es keine Armee-Teile (ich nenn sie jetzt mal “Einheiten”) mehr zu ziehen gibt. Dann gewinnt natürlich der, der das gegnerische HQ am besten rasiert hat.
Spielablauf: in jeder Runde zieht man 3 seiner ~30 Einheiten blind, sieht sie sich an, schmeißt eine davon weg und legt die anderen beiden oder auch nur eine auf’s Spielfeld. Dann ist der Gegner dran: er zieht wieder so viele Einheiten blind, bis er 3 hat, schmeißt eine weg, legt die anderen beiden und so weiter.
Ich erkläre die Regeln jetzt nicht im Detail, weil in der App auch ein sehr gutes Tutorial eingebaut ist. Ich möchte eher noch was zum Spiegefühl sagen.
In einem Online-Review auf BGG hat jemand geschrieben: “Neuroshima Hex ist wie ein Raum voller gespannter Mausefallen, in den jemand einen Tischtennisball wirft”. Und das stimmt!
Über das ganze Spiel bauen sich immer wieder die unterschiedlichsten Situationen auf, die sich irgendwann dann in einem heftigen Gefecht entladen. Zuerst dürfen alle Einheiten mit der Initiative 3 angreifen (das war die Zahl in dem Kreis, siehe oben), dann die 2er, die 1er und auch 0er gibt’s. Also: die beste Einheit nützt mir nichts, wenn sie in Phase 1 erst angreifen darf, aber in Phase 3 schon weggesprengt wird…
Man muss genau schauen, welche Einheit welche angreifen wird, wenn das nächste “Kampf-Token” gespielt wird (das wird wie eine Einheit blind gezogen, aber nicht aufs Feld gelegt, sondern einfach aktiviert; das bedeutet, ein Kampf findet statt, danach wird es abgelegt). Die Einheiten haben meistens nur einen Hitpoint, sind also nach einem Treffer Geschichte. Die meisten. Siehe roter Kollege oben: der hat so ein “+”, das bedeutet er hat 2 Hitpoints. Manche Einheiten haben eine Panzerung, die sie vor Fernkampf-Attacken schützt. Manche greifen in mehreren Phasen an, manche können sich auf dem Feld bewegen… es gibt unendlich viele taktische Möglichkeiten bei Neuroshima Hex.
Die Einheiten sind nämlich nicht alles: so gibt zum Beispiel jedes Hauptquartier allen angrenzenden, eigenen Einheiten noch einen Bonus. Das rote Fraktion gibt ihren Einheiten z.B. noch einen Fernkampfangriff, die blaue +1 auf die Initiative… und hab ich schon von den Modulen erzählt, die wie Einheiten auf das Brett gelegt werden und ebenfalls Bonus-Fertigkeiten verleihen
?
Und jetzt wieder der alte Spruch: das ist gar nicht so kompliziert wie es klingt… stimmt aber mal wieder. NH hat ‘ne steile Lernkurve – die ersten 2 Spiele kriegt man ordentlich auf die Fresse und danach hat man den Bogen raus.
Interessanterweise ist NH, wie schonmal erwähnt, eigentlich ein ziemlich abstraktes Spiel. Mich wundert, dass es mir so viel Spaß macht – weil man mich z.B. mit Schach oder Go jagen kann. NH hat das Thema “Krieg” einfach ansprechender umgesetzt und einen manchmal ausschlaggebenden Glücksfaktor.
Es hat eine gewisse taktische Tiefe, aber eben nicht wie Schach, wo einfach 100% der gewinnt, der besser spielt. Ganz so tief isses dann auch wieder nicht. Das macht es aber gleichzeitig auch einfacher und leichter zugänglich.
Neuroshima Hex kostet 2,39€ im App Store, wer erst mal testen will, greift zur kostenlosen Lite-Version. Allerdings sind 2,39€ immer noch ein Schnäppchen für so ein geiles Spiel!
Ich besitze inzwischen auch das “richtige” NH…
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